Brunnenweg Unteröwisheim: Mischwald und Hohlwege – typisch Kraichgau

Die Anregung für diese Wanderung bekam ich am Donnerstag. In den Badischen Neusten Nachrichten, der hiesigen Lokalzeitung, gibt es jeden Donnerstag den BNN-Wandertipp, diesmal unter der Überschrift „Wildromantische Passagen – Brunnenweg im Kraichgau bietet ein naturbelassenes Streckenstück“. Der Kraichgau ist von Karlsruhe dank der Stadtbahn schnell erreichbar, die offene Landschaft bietet Ausblicke, die Tour war nicht zu lang für einen Sonntagnachmittag – also nichts wie hin!

Start- und Zielort ist Unteröwisheim, mit der S32 nur 34 Minuten vom Karlsruher Hauptbahnhof entfernt. Am Bahnhof konnten wir uns gleich auf der dort platzierten Wander- und Radwandertafel orientieren und fanden den in der BNN beschriebenen Brunnenweg aufgeführt. Auf der Karte ist der Weg mit einer Hexe auf blauem Grund markiert, in der Natur jedoch ist die Strecke zum Teil mit dem Zeichen IVV-Wanderweg gekennzeichnet. Zudem ist an den Abzweigen meistens ein gelbes „BW“ sowie ein Richtungspfeil auf Straße, Bäume oder Wegpfosten gemalt, so dass die Orientierung nicht schwer fällt.

Raus aus Unteröwisheim

Der Weg führt vom Bahnhof Richtung Süden, an der Kirche vorbei und dort in die Hildastraße – wir haben den Einstieg verpasst, haben uns dann aber auf der mitgeführten Landkarte orientiert und haben dann doch die Heidelsheimer Straße gefunden, die uns aus dem Ort führt. Hier wandern wir am Ortsrand durch den ersten Hohlweg, der leicht ansteigt. Bald zeigt ein Wegweiser nach links, wo wir auf einer kurzen Stichstrecke den ersten Brunnen erreichen, den Kindlesbrunnen. Hier hat man einen schönen Blick zurück über den Ort und die Kraichgaulandschaft. Eine Sitzgruppe lädt zur Pause ein, aber der kalte Wind hielt uns davon ab – erst wollten wir uns warmlaufen. Von hier führt der 3-Quellen-Weg weiter, aber nicht verwechseln, wir sind auf dem Brunnenweg unterwegs.

Dieser führt zurück zur Heidelsheimer Straße, einem asphaltierten Wirtschaftsweg, der weiter ansteigt und auf dem uns leider auch immer wieder PKW entgegenkommen. Wir laufen an einem Waldstück entlang, auf der anderen Seite Gartengrundstücke. Auf der Höhe angekommen müssen wir uns entscheiden: geradeaus weiter und abkürzen? Aber die 7km-Strecke scheint uns dann doch zu kurz und wir halten uns links. Auf einem Feldweg geht es nach links bergauf zum Mönchswald, den unser Wanderweg in einem weiten Bogen durchquert. Der um diese Jahreszeit noch lichte Mischwald zeigt schon die sanft grünen Blattspitzen des Frühlings – toll! Auch die wenigen Sonnenstrahlen des Sonntags erreichen uns hier. Bald führt der Weg abwärts und wir verlassen den Wald wieder. Wir biegen scharf rechts wieder auf einen asphaltierten Weg ein, der uns am Waldrand entlang bergab führt. Wir sehen hier das Viadukt der ICE-Schnellfahrstrecke vor uns das Tal durchqueren.

ICE-Trasse

Wir treffen hier auf den markierten Wanderweg HW50 Markierung zwei weiße senkrechte Balken, SIckingenweg des Odenwaldklubsdes Odenwaldklubs, den Sickingenweg und folgen ihn am Waldrand entlang rechts aufwärts. Wir machen hier mit Blick auf die ICE-Trasse eine Pause auf einer Bank in der Sonne und lassen uns auch von ganz kurz einsetzendem Graupel nicht abschrecken. Bald ist der Spuk vorbei und wir wandern bei kaltem Wind, aber Sonnenschein weiter und überqueren die ICE-Strecke oberhalb vom Tunnelportal. Wir gelangen wieder zu einem Waldstück, dass der Brunnenweg offiziell links umgeht, der HW50 rechts, wir jedoch gehen auf einem Pfad einmal quer durch. Der Weg ist um diese Jahreszeit zwar etwas matschig, aber viel schöner zu gehen als die Wirtschaftswege außen herum. An alten Markierungen sieht man, dass der Weg des Odenwaldklubs früher auch hier geführt wurde.

Am Ende des Waldes gelangen wir wieder auf den Heidelsheimer Weg und halten uns rechts. Wir laufen über freies Feld leicht bergauf, an der höchsten Stelle führt unser Brunnenweg nach links und an Obstbäumen vorbei wieder abwärts. Der geteerte Weg biegt bald nach links ab und führt weiter ins Tal, wir aber laufen geradeaus – auf der Karte ist offensichtlich, dass der Hohlweg vor uns direkt zur Kreuzhohle  führt. Warum der offizielle Weg einen Bogen auf der Straße macht erschließt sich uns nicht.

Hohlwege sind typisch für den Kraichgau

Und tatsächlich, bald erreichen wir den Hohlweg, der so typisch für den Kraichgau ist. Die jahrhundertelange Nutzung hat diese Wege sich tief in den weichen Lößboden einschneiden lassen.

Der Weg steigt wieder an, die Wände des Hohlwegs links und rechts aber auch, bald gelangen wir wieder heraus und können über die Felder sehen. Dann senkt sich der Weg wieder abwärts und wir gelangen zu Kreuzhohle, einer Hohlwegkreuzung, die wirklich „wildromantisch“ ist, wie die BNN titelt. Wir halten uns geradeaus und steigen wieder bergan, bewundern die Höhlen links und rechts in den Lößwänden, die vielleicht ein Fuchs oder Dachs gegraben haben mag. Und wieder verlassen wir den Hohlweg, stehen auf dem freien Feld und können links und rechts über die Kraichgaulandschaft schauen. Morsche Bäume schmücken den Wegesrand. Gleich danach geht es wieder abwärts, wieder ein Hohlweg, der bald darauf zum Rohrbacher Hof führt. Ab hier ist der Weg wieder asphaltiert, wir biegen am Ende des Gehöfts nach rechts ab. Der Weg führt abwärts Richtung Unteröwisheim und erneut senkt sich die Straße in einen spektakulären Hohlweg hinab.

Gemmerichbrunnen

Am Ende dieser hohlen Gasse laufen wir durch ein kleines Tal und der Wegweiser zeigt nach rechts zum Gemmerichbrunnen. Auch dieser sehr schön angelegte Platz bietet sich zum Pausieren an. Wir wandern weiter an einer Pferdekoppel vorbei, wieder leicht aufwärts über Wiesen und Weiden, sehen einen Bussard übers Land segeln. Und da fällt der Feldweg auch schon wieder ab und wir befinden uns wieder – genau, in einem Hohlweg. Am Ausgang ist Unteröwisheim schon wieder zu sehen, wir laufen wieder in den Ort hinein und gelangen auf der Bruchsaler Straße zur Kirche und zum Bahnhof zurück. Die S32 fährt von hier im Stundentakt nach Karlsruhe (unter der Woche sogar alle 20 Minuten).

Insgesamt eine tolle Wanderung, die Hohlwege sind wirklich sehr beeindruckend. Nach den Markierungen muss man oft suchen, aber mit geschultem Auge (oder der Landkarte in der Tasche) ist es kein Problem den Weg zu finden. Am ehesten hat mich gestört, dass ein Großteil der Strecke über Asphalt führt – mit Kinderwagen hätte ich mich sicher darüber gefreut.

Kartenübersicht

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